Der Ort
Rauenthal als Ort, als Gemarkung und als Name
Der Name auf einem Etikett ist zugleich ein Verwaltungsbegriff. Diese Seite trennt beide und meldet den Widerspruch, den die Quellen über das Alter des Ortes führen.
Der Name Rauenthal bezeichnet auf einem Weinetikett eine Gemarkung, in der Verwaltung dagegen einen Stadtteil der Stadt Eltville am Rhein. Beide Begriffe bezeichnen dieselbe Fläche, sie gehorchen jedoch unterschiedlichen Ordnungen: Die Gemarkung ist eine Katastereinheit, der Stadtteil ist eine Verwaltungseinheit. Diese Seite stellt die amtlichen Angaben zum Ort zusammen, soweit sie in den Quellen des Landes Hessen und der Kommune veröffentlicht sind, und hält die Widersprüche fest, in die diese Quellen beim Alter des Ortes geraten.
Ortstyp, Verwaltungszugehörigkeit und amtliche Kennzahlen
Das Historische Ortslexikon für Hessen, geführt im Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen (LAGIS), verzeichnet Rauenthal als Dorf. Der Ort gehört seit der Eingemeindung zur Stadt Eltville am Rhein; das Ortslexikon hält dazu unter der Rubrik Gemeindeentwicklung fest: „Am 1.1.1977 Eingemeindung in die Stadt Eltville am Rhein.“ Der Stadtteil liegt im Rheingau-Taunus-Kreis. Als Ortskennziffer weist LAGIS die Nummer 439003050 aus.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Ortstyp | Dorf |
| Gemeinde | Eltville am Rhein |
| Kreis | Rheingau-Taunus-Kreis |
| Höhe über NN | 255 m |
| Lagebezug | 8,7 km südlich von Bad Schwalbach |
| Ortskennziffer | 439003050 |
Die Höhenangabe von 255 m über NN stammt aus der Kopfzeile des LAGIS-Eintrags, der lautet: „Rauenthal, Dorf · 255 m über NN“. Für die geografische Verortung führt LAGIS Koordinaten in drei Systemen: WGS84 (50.059865° N, 8.111305° O), Gauß-Krüger (3436439, 5547444) und UTM (32 U 436389 5545665).
Lage in den Rheingauer Vorbergen
LAGIS beschreibt die Siedlungslage in der Rubrik Lage und Verkehrslage mit den Worten: „Siedlung in den Rheingauer Vorbergen auf einem steil zum Schlangenbader Bach abfallenden Hochplateau. Kirche in zentraler Lage.“ Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen verzeichnet in seinem Kulturdenkmäler-Portal KuLaDig eine ergänzende Beschreibung: Rauenthal liege „in Höhenlage oberhalb des tief eingeschnittenen Walluftales“, an einem alten Weg, der den Rhein mit dem Hinterland verband.
Die Stadt Eltville am Rhein selbst bezeichnet Rauenthal als „der am höchsten gelegene Stadtteil von Eltville“. Als Aussichtspunkt nennt die Kommune die Bubenhäuser Höhe mit Blick auf das Rheintal. Die drei landschaftlichen Beschreibungen nennen drei verschiedene Gewässer, den Schlangenbader Bach bei LAGIS, die Walluf bei KuLaDig und, für die Lagenbeschreibung des Baiken im Bogen des Rauenthaler Bergs, den Sulzbach. Diese Beschreibungen widersprechen sich nicht, sie erfassen den Ort von verschiedenen Seiten; eine zusammenfassende Einzelbeschreibung geben die Quellen jedoch nicht.
Die Ersterwähnung: zwei Datierungen, eine umstrittene Zuweisung
Zu der Frage, wann Rauenthal erstmals schriftlich genannt wird, stimmen die amtlichen Quellen nicht überein. Das Historische Ortslexikon (LAGIS) gibt als Ersterwähnung die Jahre 1228-1235 an, mit der historischen Namensform Ruendal. Diese Zuweisung ist jedoch bereits in der Quelle selbst mit einem Vorbehalt versehen, denn LAGIS vermerkt ausdrücklich: „[Zuweisung umstritten Meyer zu Ermgassen, Oculus Memorie 2, S. 360]“. Es folgen weitere belegte Namensformen: Ruindal (1274), Ruwendal (1361) und Ruwentail (1407). Als Bezeichnungsweisen nennt das Ortslexikon villa für das Jahr 1274 und dorff für das Jahr 1407.
Dagegen halten sowohl die Stadt Eltville am Rhein als auch das Landesamt für Denkmalpflege Hessen das Jahr 1274 für die erste urkundliche Erwähnung. Die Stadt schreibt: „Das bekannte Weindorf wurde 1274 erstmals urkundlich erwähnt.“ KuLaDig formuliert: „Der Ortsname erscheint erstmalig 1274 in einem Dokument des Mainzer Domkapitels.“ Eine auf den Tag genaue Datierung dieser Urkunde wird nur von nichtamtlichen Quellen angeboten und bleibt daher außer Betracht.
Die Quellenlage lässt sich so zusammenfassen: Die Nennung von 1274 tragen die Kommune und die Denkmalpflege; das Historische Ortslexikon des Landes Hessen führt eine ältere Form, Ruendal für 1228-1235, zurück, meldet aber selbst, dass diese Zuweisung umstritten ist. Dieses Buch entscheidet den Widerspruch nicht, es dokumentiert ihn.
Ein Rebberg, der älter belegt ist als der Ort
KuLaDig überliefert eine Angabe, die die Reihenfolge von Ort und Weinberg umkehrt: Der älteste genannte Weinberg der Gemarkung ist der Rotenberg, der bereits 1211 erwähnt wird, also vor beiden Datierungen der Ersterwähnung des Ortsnamens. LAGIS führt zudem zur Gründung des Dorfes selbst eine vorsichtige Vermutung an: „Vermutlich wurde Rauenthal vom Fiskalgut des Mainzer Erzbistums in Eltville aus angelegt, um den Berg für den Weinbau zu kultivieren.“
1274 erwarb der Mainzer Erzbischof Werner von Eppstein das Dorf Rauenthal von der Witwe des Nikolaus von Scharfenstein. Bis 1824 wurde hier unter dem Namen „Bergrecht“ ein landesherrlicher Weinzins erhoben.
Dieser Eintrag zeigt, dass der Ort schon im 13. Jahrhundert als Weinbaudorf mit einem eigenen, namentlich geführten Weinzins erfasst war. Der Bergrecht genannte Zins gehört in die Rechtsgeschichte des Rheingaus, nicht in die Lagenkunde, und wird daher auf dieser Seite nur benannt.
Verwaltungsbezirke seit 1604
Das Ortslexikon führt die Zugehörigkeiten in aufsteigender Folge. Der Leser, der die Landesgeschichte des Rheingaus kennt, erkennt darin die großen Brüche von Kurmainz über Nassau und Preußen zum Land Hessen.
- 1604: Kurfürstentum Mainz, Oberamt Eltville
- 1803: Nassau-Usingen, Vicedomamt Rheingau, Amtskellerei Eltville
- 1816: Herzogtum Nassau, Amt Eltville
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Rheingaukreis
- 1968: Regierungsbezirk Darmstadt, Rheingaukreis
- 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Rheingau-Taunus-Kreis
Zur Kirchengeschichte vermerkt LAGIS einen Pleban für 1314, für 1339 die Bestätigung des Kapellenbaus durch den Mainzer Erzbischof mit dem Patronat des Antonius, die Trennung von der Mutterkirche in Eltville im Jahr 1361 und ein eigenes Gericht für 1576. In der Gemarkung lag zudem das Kloster Tiefenthal, ein Zisterzienserinnenkloster, später ein Benediktinerinnenkloster.
Historische Flächen und Einwohnerzahlen
Die Flächennutzungsstatistik bei LAGIS weist für 1885 eine Gemeindefläche von 743 ha und für 1961 von 727 ha aus, davon 360 ha Wald im Jahr 1961. Die Einwohnerstatistik, nach dem Historischen Gemeindeverzeichnis für Hessen des Hessischen Statistischen Landesamtes von 1968, zählt 681 Einwohner für 1820, 1.014 für 1885, 1.497 für 1961 und 1.572 für 1970. Eine amtliche Zahl der heutigen Wohnbevölkerung des Ortsteils wird in keiner der hier ausgewerteten amtlichen Quellen veröffentlicht.
Diese Seite lässt drei Angaben offen, weil keine amtliche Quelle sie druckt: die gegenwärtige Einwohnerzahl des Ortsteils Rauenthal, die Rebfläche der Gemarkung Rauenthal allein und die genaue Entfernung des Ortes zum Rhein. Die Rebfläche der Stadt Eltville mit allen Stadtteilen beziffert nur ein touristisches Portal, das hier nicht als Beleg dient. Das Regierungspräsidium Darmstadt gibt zu den Abgrenzungen der geografischen Einheiten schließlich an, wo sie einzusehen sind: „Die Abgrenzungen der geografischen Einheiten liegen im Dezernat in Eltville vor. Sie können dort archivmäßig geordnet eingesehen werden.“ Die Lagen selbst, ihre Namen und ihre rechtliche Grundlage in Anlage 3 der Hessischen Ausführungsverordnung zum Weinrecht, behandeln die folgenden Seiten dieses Buches, nicht diese.