Klima
Klima und Ausrichtung: was gemessen wird und was nicht
Es gibt belastbare Klimazahlen für das Anbaugebiet. Es gibt keine für diesen einen Hang, und dieser Unterschied ist keine Kleinigkeit.
Wer nach Klimazahlen für den Rheingau sucht, findet sie. Wer sie für Rauenthal sucht, findet sie nicht. Diese Seite trennt beides sauber voneinander: Sie gibt zunächst die Werte wieder, die für das Anbaugebiet veröffentlicht sind, und benennt Messort und Bezugszeitraum. Danach sagt sie, was für den Ortsteil selbst nicht vorliegt und welche Aussagen sich daraus nicht ableiten lassen.
Der Messort Geisenheim und der Zeitraum 1991 bis 2020
Die belastbaren Klimazahlen für das Anbaugebiet Rheingau stammen von einer einzigen Messstelle: Geisenheim. Veröffentlicht werden sie vom Regierungspräsidium Darmstadt, Dezernat Weinbau, in der Schrift „Kurz-Info Rheingau“, Stand 31. Juli 2025. Die Werte sind Mittelwerte über dreißig Jahre, nämlich für den Zeitraum 1991 bis 2020. Wer eine dieser Zahlen verwendet, muss also sagen: gemessen in Geisenheim, gemittelt über 1991 bis 2020, gültig als Gebietswert für das Anbaugebiet Rheingau. Nicht gültig ist der Wert für einen einzelnen Hang, einen einzelnen Ort oder eine einzelne Parzelle.
Die veröffentlichten Werte für das Anbaugebiet
Die „Kurz-Info Rheingau“ des Regierungspräsidiums Darmstadt druckt drei Parameter ab, jeweils für das Kalenderjahr und für die Vegetationsperiode:
| Parameter | Kalenderjahr | Vegetationsperiode |
|---|---|---|
| Niederschläge | 527 mm | 324 mm |
| Sonnenscheinstunden | 1701 h | 1343 h |
| Tagesmitteltemperatur | 11,0 °C | 15,7 °C |
Diese Tabelle ist ein Gebietsmittel. Sie beschreibt das Anbaugebiet Rheingau als Ganzes, so wie es der Messstelle Geisenheim zugeordnet wird. Aus ihr lässt sich nicht ablesen, wie warm, sonnig oder niederschlagsarm ein bestimmter Steilhang oberhalb des Walluftales ist.
Was für Rauenthal selbst nicht veröffentlicht wird
Für Rauenthal allein existiert keine eigene Klimareihe. Es gibt keine amtlich veröffentlichten Niederschlagswerte, keine Sonnenscheinstunden und keine Temperaturmittel, die nur diesen Ortsteil der Stadt Eltville am Rhein erfassen. Das ist kein Versäumnis, sondern die normale Folge davon, dass Klimastatistiken an Messstellen gebunden sind und nicht auf Ortsteile heruntergerechnet werden.
Aus dieser Lücke folgt eine klare Grenze der Aussagbarkeit. Es ist unzulässig zu schreiben, Rauenthal habe soundso viele Sonnenstunden, soundso viel Niederschlag oder eine bestimmte Mitteltemperatur. Ebenso unzulässig ist es, die Geisenheimer Werte stillschweigend als Werte Rauenthals auszugeben. Wer in diesem Buch eine Aussage über das Klima des Ortes sucht, findet hier die Erklärung, warum sie fehlt: Sie wird nirgends veröffentlicht, und sie lässt sich aus den Gebietswerten nicht ableiten. Sie wäre, wenn überhaupt, bei einem klimatologischen Dienst des Landes oder beim Regierungspräsidium Darmstadt zu suchen, nicht aber in den weinbaulichen Kenndaten des Anbaugebiets.
Der Taunusschutz: eine qualitative Aussage ohne Zahlen
Zu den klimatischen Gunstfaktoren des Rheingaus gehört landläufig der Windschutz durch das bewaldete Taunusgebirge. Eine amtliche, bezifferte Formulierung dazu gibt es nicht. Es existiert lediglich eine qualitative Aussage des Regionalportals rheingau.de, die hier als Meinung eines Portals zitiert wird, nicht als Messergebnis:
Gleichzeitig schützt das reich bewaldete Taunus-Gebirge die Weinberge vor Wind und Wetter.
Diese Aussage passt zu der verbreiteten Vorstellung, dass das Gebirge den Rebflächen am Hangfuß Windexposition nimmt. Sie lässt sich aber nicht mit einer Zahl belegen, weder mit einer Windmessung noch mit einem Temperaturvergleich. Das Lagenbuch gibt sie daher nur als qualitative Aussage des Portals wieder und hebt sie ausdrücklich von den messwertgestützten Angaben der Tabelle oben ab.
Was das HLNUG über die Höhenlagen sagt
Die einzige amtliche Aussage zum Klima der höheren Lagen am Taunusrand stammt vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Sie lautet:
Im weiteren Anstieg zum Taunus beschränkt sich wegen der Klimaungunst der Weinbau nur noch auf die steilsten und optimal nach Südwesten ausgerichteten Hänge.
Diese Aussage hat für Rauenthal ein besonderes Gewicht. Der Ort liegt nach dem Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen „in den Rheingauer Vorbergen auf einem steil zum Schlangenbader Bach abfallenden Hochplateau“, und die Stadt Eltville bezeichnet Rauenthal als „der am höchsten gelegene Stadtteil von Eltville“. Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen verortet den Ort „in Höhenlage oberhalb des tief eingeschnittenen Walluftales“. Je höher die Lage, desto ungünstiger das Klima, so das HLNUG, und desto mehr kommt es darauf an, dass ein Hang steil ist und nach Südwesten zeigt. Damit ist die Ausrichtung eines Hangs im oberen Bereich keine Geschmacksfrage, sondern die Bedingung dafür, dass dort überhaupt Reben stehen können.
Warum Ausrichtung hier Recht und Klima zusammenführt
Die Klimaaussage des HLNUG erklärt auch, warum im deutschen Weinrecht die geografischen Angaben so fein aufgelöst sind. Wenn innerhalb weniger hundert Höhenmeter der Unterschied zwischen „bestockt“ und „zu ungünstig“ liegen kann, ist die einzelne Lage, nicht die Gemeinde, die Einheit, die klimatisch noch sinnvoll beschrieben wird. Eine Etikettierung, die eine Lage benennt, verspricht also gerade nicht ein Ortsklima, sondern die Zuordnung zu einer benannten Fläche innerhalb des Anbaugebiets, deren Grenzen woanders festgelegt sind als auf dieser Seite.
Nicht gesagt wird auf dieser Seite, wie viele Sonnenstunden, Niederschläge oder Grad Celsius Rauenthal im Einzelnen aufweist: Diese Werte werden nicht veröffentlicht, und die Geisenheimer Gebietswerte dürfen hierfür nicht herangezogen werden. Auch die Höhen der Bubenhäuser Höhe und des Hansenkopfes werden nicht angegeben, da sie nur in nichtamtlichen Quellen belegt sind, und die Entfernung des Ortes zum Rhein bleibt offen, weil hierfür keine amtliche Angabe gefunden wurde.