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Rauenthaler LagenbuchEin Nachschlagewerk über den Hang von Rauenthal und über das Rheingauer Etikett

Der Untergrund

Boden und Gestein: welche Namen amtlich sind

Der geologische Dienst des Landes kennt vier Begriffe für diesen Hang. Der Begriff, den Weinbeschreibungen am liebsten verwenden, gehört nicht dazu.

Senkrechter Anschnitt eines Feldweges, der eine helle feinkörnige Lössschicht über dunklerem verwittertem Gestein freilegt

Der Untergrund eines Weinbergs wird in Weinbeschreibungen oft mit einem einzigen griffigen Wort benannt. Der geologische Dienst des Landes Hessen, das HLNUG, führt für den Rheingau dagegen eine begrenzte Zahl von Fachbegriffen, die an Karten und Profilen gebunden sind. Zwischen diesen beiden Sprachen liegt ein Abstand, der sich anhand der Quellen genau beschreiben lässt. Für den Rauenthaler Hang lautet der Befund, dass das verbreitetste Wort der Weinliteratur in den amtlichen Verzeichnissen nicht vorkommt.

Was der geologische Dienst des Landes tatsächlich druckt

Die amtliche Referenz für die Weinbergsböden Hessens ist die Broschüre „Die Weinbergsböden von Hessen“ des HLNUG, erschienen in der Reihe „Umwelt und Geologie, Böden und Bodenschutz in Hessen, Heft 7“, in der zweiten überarbeiteten Auflage, Wiesbaden 2022. Rauenthal wird in dieser Broschüre namentlich nicht genannt. Die Aussagen gelten für den Oberen Rheingau und dessen Anstieg zum Taunus, zu dem Rauenthal als Gemarkung der Stadt Eltville am Rhein geografisch gehört. Der Leser, der einen Lagennamen im Register sucht, findet ihn dort nicht.

Die Gesteine und Substrate, die das HLNUG für diesen Naturraum benennt, sind geschlossen aufzählbar. Es sind, den Formulierungen der Broschüre folgend:

  • Phyllit
  • Schiefer
  • Serizitgneis
  • Quarzit und Sandstein des Naturraumes Taunuskamm, vor allem nordwestlich von Rüdesheim
  • Löss und Sandlöss
  • Lösslehm
  • steinig-grusige Fließerden an den steileren Hängen

Das Kompositum „Phyllitschiefer“, ob nun mit oder ohne den Zusatz „Rauenthaler“, erscheint in dieser Aufzählung nicht. Der amtliche Begriff ist „Phyllit“.

Wie die Broschüre den Untergrund des Oberen Rheingaus beschreibt

Zwei Sätze der Broschüre tragen die geologische Rahmung. Zum Gestein des Schiefergebirges heißt es: „Taunuswärts wechselt der Untergrund zu teilweise tiefgründig verwittertem Gestein des Rheinischen Schiefergebirges (Schiefer, Phyllit, Serizitgneis) und vor allem nordwestlich von Rüdesheim auch Quarzit und Sandstein des Naturraumes Taunuskamm.“ Zum jüngeren Sediment: „Als Ausgangssubstrat der Bodenbildung ist aber insbesondere der geologisch sehr junge, eiszeitliche Löss oder Sandlöss hervorzuheben, der als Flugstaub fast überall hingetragen wurde.“

Für die Böden am Taunusanstieg, also die Lage, in der die Rauenthaler Weinberge stehen, gibt die Broschüre eine ausdrückliche Beschreibung: „Im Taunusanstieg sind auf ebenen Flächen vornehmlich tonig zersetzte Schiefer und Phyllit anzutreffen. Diese Böden, aber auch die tiefgründigen Lösslehme der höher gelegenen Bereiche, neigen zur Staunässe. Die steileren Hänge werden überwiegend von steinig-grusigen Fließerden mit geringem bis mittlerem Wurzelraum und unausgeglichenem Wasserhaushalt eingenommen.“ Damit steht für den Hang selbst ein amtlicher Befund bereit, der ohne Lagennamen auskommt.

Der größte Teil des Oberen Rheingaus zählt geologisch zum Mainzer Becken, einem im Tertiär entstandenen Senkungsgebiet mit sehr unterschiedlichen Ablagerungen wie Schotter, Sande, Tone, Kalke und Mergel.

HLNUG, Die Weinbergsböden von Hessen, Heft 7, 2. überarbeitete Auflage, Wiesbaden 2022

Die Bodentypen der amtlichen Karte und ihre Substrate

Die Broschüre nennt als Bodentypen der hessischen Weinberge unter anderem Parabraunerde, Braunerde, Pararendzina, Rendzina, Kolluvisol, Braunerde-Rigosol und Parabraunerde-Rigosol. Bildunterschriften erläutern die Kombinationen, etwa „Weinbergsboden aus Lösslehm und zersetztem vordevonischem Serizitgneis (Braunerde-Rigosol)“ und „Weinbergsboden aus Lösslehm über Löss (Parabraunerde-Rigosol)“. Die Tabellen der Broschüre führen als Substrate unter anderen „Böden aus grobbodenreichen Substraten mit Phyllit oder Bunten Schiefern“ sowie „Böden aus Lösslehm über Phyllit oder Bunten Schiefern“.

Begriffe des HLNUG neben dem Wort der Weinbeschreibungen
BegriffQuellenstatus
Phyllitamtlicher Begriff des HLNUG
Serizitgneisamtlicher Begriff des HLNUG
Bunte Schieferamtlicher Begriff des HLNUG
Löss, Lösslehm, Fließerdeamtliche Begriffe des HLNUG
Phyllitschiefernicht in den Quellen des HLNUG
Rauenthaler Phyllitschiefernicht in den Quellen des HLNUG

Wo der amtliche Einzelfall nachzuschlagen wäre

Für den einzelnen Standort hält das HLNUG eigene Werkzeuge bereit, die hier nur benannt werden, da ihre Aussagen flächen- und standortgebunden sind: der BodenViewer Hessen, der Weinbaustandortatlas in den Maßstäben 1:25.000 bis 1:50.000, die Weinbaustandortinformation 1:5.000 und der WeinbauStandortViewer. Alle werden vom HLNUG herausgegeben. Historisch reicht die „Standortkartierung der hessischen Weinbaugebiete“ auf Zakosek und andere zurück, Jahr 1967, neubearbeitet von Löhnertz und anderen im Jahr 2004 in den Geologischen Abhandlungen Hessen, Band 114, in Kooperation mit dem Deutschen Wetterdienst, der Forschungsanstalt Geisenheim, dem HLNUG, der Universität Mainz und dem Weinbauamt Eltville des Regierungspräsidiums Darmstadt. Aus den Aufnahmen jener Kartierung stammt die Weinbau-Standortkarte Rheingau 1:5.000 der Jahre 1970 bis 1980.

Was die Lagenbeschreibungen des Portals sagen

Das regionale Portal rheingau.de, ein privater Herausgeber, veröffentlicht für einzelne Rauenthaler Lagen Bodenbeschreibungen, die im Wortlaut jeweils dem Portal zuzuschreiben sind und nicht als geologische Amtsangabe gelten können. Für den Baiken heißt es dort: „Die Böden im Baiken weisen mittel- und bis tiefgründige Phyllite auf“. Für das Gehrn: „mittel- und tiefgründige Phyllitböden … haben aber auch kleine Flächen aus Serizitgneis und tiefgründige Lösslehme vorzuweisen“. Für das Langenstück: „Die Höhenlage hat bunten Schiefer im Boden vorzuweisen und auch vulkanisches Gestein“. Für die Wülfen: „tiefgründigen Phyllitboden mit Einlagerungen von tiefgründigem Löss sowie tertiäre Mergelböden“. Für den Nonnenberg beschreibt das Portal „tiefgründigen, steinig-grusigen Phylliten und Lösslehmen im unteren Teil des Hanges“ bei südlich ausgerichtetem Hang.

Bemerkenswert ist der Rothenberg, denn hier genau setzt das verbreitete Schlüsselwort ein. Das Portal schreibt von „rot-violettem Phyllitschiefer, dessen rote Farbe durch die eingelagerten Ferritoxide leuchtet“. Diese Formulierung ist die Quelle, an die jede Erwähnung des rötlichen Gesteins am Rothenberg zurückzubinden ist, solange keine amtliche Karte etwas anderes druckt. Das HLNUG selbst kennt das Wort nicht.

Warum die Unterscheidung zählt

Der Unterschied ist kein Streit um Wörter, sondern eine Frage der Zitierfähigkeit. Wer „Phyllit“ schreibt, zitiert den geologischen Dienst des Landes und kann jede Aussage an dessen Broschüre, Karten und Viewer prüfen lassen. Wer „Rauenthaler Phyllitschiefer“ schreibt, zitiert eine handelsnahe Beschreibungssprache, die keinen amtlichen Rückhalt hat. Ein Referenzwerk tut gut daran, beide Ebenen getrennt zu halten und die Herkunft jedes Begriffs offenzulegen.

Diese Seite sagt nicht, welcher Bodentyp im Einzelfall auf welcher Parzelle der Gemarkung ansteht; das stünde nur in der Weinbaustandortinformation 1:5.000 des HLNUG und deren Kartenwerken, nicht aber in der hier ausgewerteten Broschüre, die Rauenthal namentlich nicht führt. Ebenso behandelt sie nicht die Frage, welche Rolle der Untergrund nach den Vorschriften über die Angabe von Lage und Boden auf dem Etikett einer Flasche spielt; das rechtliche Verhältnis von Lagenbezeichnung und Geologie ist Gegenstand einer eigenen Seite dieses Buches. Ob das rote Gestein des Rothenberg in einer künftigen Auflage der amtlichen Broschüre eigens benannt wird, ist nicht veröffentlicht und hier nicht Gegenstand.